Über den Dächern von Neuwied - Ausbildung Baukunde in der Marktkirche

Aufgrund Ihres Aufgabengebietes haben die Bergungsgruppen des THW im Einsatzfall regelmäßig mit verschiedensten Gebäuden und Bauwerken zutun.

Um eine Sensibilität und Grundkenntnisse über die verschiedensten Bauweisen zu erlangen ist das Thema Baukunde ein wichtiger Bestandteil der Fachausbildung in den Bergungsgruppen. Wenn beispielsweise beschädigte Gebäude betreten oder abgestützt werden müssen, ist es unerlässlich, dass die Einsatzkräfte einen Grundüberblick über die Konstruktion des Bauwerks und das statische System haben sowie Schäden, wie Risse, richtig einschätzen können, um sich gegebenenfalls in Sicherheit bringen zu können.

Am vergangenen Dienstabend, den 23. Mai besuchten die beiden Bergungsgruppen des Ortsverbandes Neuwied die Neuwieder Marktkirche. In den vergangenen Monaten wurde das gesamte Dach der Kirche saniert. Zunächst durften die Einsatzkräfte das Gerüst an der Außenfassade der Kirche besteigen und sich neben dem letzten im Bau befindlichen Dachabschnitt den eindrucksvollen Ausblick über die Innenstadt ansehen. Im Anschluss wurde der Kircheninnenraum von der Empore aus besichtigt, wo man die Folgen eines Wasserschadens, welcher der Grund für die Dachsanierung war, begutachten konnte.

Die Folgende Station und der Hauptgrund für die Besichtigung war das Dachgeschoss der Kirche. Dort kann man sich nur über kleine hölzerne Brücken bewegen, darunter befinden sich die Oberseiten der großen freitragenden Gewölbe. Die riesige hölzerne Dachkonstruktion von 1894 erstreckt sich über das gesamte Kirchenschiff und das Querschiff. Ein fachkundiges Mitglied des Presbyteriums sowie der die Sanierung leitende Architekt erläuterten die Konstruktion und die Problematik dahinter, welche die Sanierungsarbeiten umfangreicher ausfallen ließ, als erhofft. Immense Kräfte wirken teilweise und zusätzlich muss die Kraft des Windes an einem solch hohen Gebäude mit abgefangen werden. Dazu sind zahlreiche Verstrebungen aus Holz und Stahl verbaut. Sehr gut sichtbar waren die Bauteile, die bei den Sanierungsarbeiten neu eingesetzt bzw. ausgetauscht wurden. Ebenfalls diskutiert wurde ein Sturmschaden, der während der Sanierung entstand und behoben werden musste. Des Weiteren wurde intern unter den THW-Kräften auf das System von Gewölben eingegangen sowie die Problematik und passende Lösungen bei Abstützaufgaben an Gewölben besprochen.

Der THW Ortsverband Neuwied bedankt sich bei der Marktkirche und dem Architekten für die interessante, vielschichtige und exklusive Führung. Ein solch großes Bauwerk einmal näher zu betrachten bringt wertvolle und spannende Erfahrungen mit sich.

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